MixOfTheWeek#1

Es wurde mal wieder Zeit für einen neuen DJ Mix. Anders als erwartet ist es doch kein DubSeduce Vol. 3 (welcher quasi auch schon fertig ist…) geworden, sondern eine neue Idee und eine neue Serie. Wie ich Musik höre, hat sich auch bei mir sehr verändert in den letzten Jahren. Die Empfehlungsalgorithmen von Spotify der letzten 2-3 Jahre habe ich ausgenutzt und mir jede Menge Tracks aus dem Mix der Woche gezogen und anschließend nochmal durchselektiert. Herausgekommen ist jetzt ein House Mix bei 127bpm, vom Tempo eher ungewöhnlich für mich. Das soll erst der Anfang sein, weitere Mixe inspiriert vom Algorithmus sollen folgen…

Tracklist

Malin Genie – Bulbocavernosa
Bruce Trail – Fly By Night
1-800-Girls – I Can’t Keep My Head
Mr.G – You Feel Me
Artwork – Acid Lines
Aubrey – Saros Cycle
Shinichiro Yokota – Bells
Adam Pits – Gazza
Sweely – Dancing With You
Michael Bibi, Skream – Otto’s Chant
DJ Crisps – It’s A Dark Day
Colossi Rah – Stolen Land
Maruwa – Freeze
Mall Grab – Liverpool Streets In The Rain
Hammer, Bicep – Day 3
Earthtrax, Newborn JR – If You feat. Annjet

Ansitzeinrichtung 04/22

Ich bin ganz gut in das Frühjahr gestartet und 300km mit dem Bike sind schon geschafft. Die Fotografie lag dabei eher weniger im Fokus, aber das soll sich in der diesjährigen Fahrradsaison noch ändern. Auf das fotografische Thema der jagdlichen Hochstände bin ich schon vor mehreren Jahren gestoßen. Nachdem mir aufgefallen war, wie vielschichtig bis skurill diese Bauten sein können, wurde mein Interesse nachhaltig geweckt. Ich habe bereits eine kleine fotografische Sammlung angelegt und werde in den nächsten Monaten einige ausgewählte Funde hier im Blog präsentieren.

edit: Umgangssprachlich heißt es bei uns Hochsitz oder Hochstand. Die korrekte Bezeichnung aller baulichen Einrichtungen für die Jagd ist unter dem Begriff ‚Ansitzeinrichtung‘ zusammengefasst. Auf dem Bild zu sehen ist eine geschlossene Kanzel mit Leiter. Je nach Region können sich die Typenbezeichungen für solche Ansitzeinrichtungen unterscheiden oder überschneiden. Für die Serie beschränke ich mich auf die allgemeine Bezeichnung der ‚Ansitzeinrichtung‘.

Der Hochstand 04/22
Ansitzeinrichtung 04/22

Nachhaltige Festivals nach der Pandemie

Momentan zeichnet es ich ab, dass wir den kommenden Sommer die ersten halbwegs normalen Festivals nach 2 Jahren Pandemie bekommen werden. Viele dieser Großevents haben in den letzten 2 Jahren gar nicht statt gefunden und einige haben es mit angepassten Konzepten versucht, also bestimmten Hygieneauflagen und weniger Besuchern. Was insgesamt aufgefallen ist, dass überwiegend die kleineren alternativen Festivals noch etwas machen konnten. Größere und durchkommerzialisierte Veranstaltungen mit internationalen Line-Up wurden hingegen abgesagt. Trotzdem gab es einige Entwicklungen und auch wenn die Pandemie fast alles andere überlagert hat, machen sich Veranstalter natürlich Gedanken, wie es jetzt weitergeht. Ich selbst habe mir da auch schon einige Gedanken gemacht und bin gespannt, in welche Richtung wir in Deutschland gehen.

Eines meiner letzten Festivals als Besucher war das Melt 2019 in Gräfenhainichen. Internationales Line Up, 100% durchkommerzialisiert, nichts wird einem geschenkt, ca. 80% internationales Publikum, vorallem aus den GB und den Niederlanden. Viele der der Anreisenden haben wenig Gepäck (teilweise nur einen Rucksack) und kommen mit dem Billigflieger für 30€ von der Insel. Alles was man braucht, kauft man sich vor Ort. Für die Partytouristen ist das immer noch ein Schnäppchen. Festivals in den Niederlanden oder England sind deutlich kostenintensiver. Viele der mitgebrachten, sehr einfachen Zelte vom Sport Discounter werden nach dem Wochenende einfach stehen gelassen. Vielleicht packen einige lieber noch ein wenig Merchandise in den kleinen Koffer. Davon abgesehen gibt es ein konsequentes Pfandsystem für den anfallenden Müll auf dem Campingplatz und dem Festivalgelände selbst.

Der Counterpart zum Melt sind die alternativen Festivals wie das Fusion in Mecklenburg Vorpommern oder die Wilde Möhre, das Feel Festival und die Nation of Gondwana in Brandenburg. Die Festivalbesucher, welche überwiegend aus Deutschland kommen, sind über ein gesamtes Wochenende zu großen Teilen Selbstversorger. Der mitgebrachte Alkohol kann mit auf das Festivalgelände genommen werden, gegessen wird oft am Zelt oder am Camper. Das Programm der Veranstaltungen wird meistens mit regionalen Künstlern und sogar ganzen regionalen Crews gefüllt. Internationale Künstler gibt es kaum, das musikalische Niveau hinkt den großen internationalen Festivals hinterher. Für die Partytouristen von der Insel sind die alternativen Festivals bei uns deshalb kaum interessant. Nach dem Festival muss wieder der Müll gesammelt und abgegeben werden und da kommt doch einiges zusammen. Durch die Selbstversorgung ensteht sichtbar mehr Müll, auch auf dem Festivalgelände selbst.

Die Nachhaltigkeit von Festivals war schon vor der Pandemie ein Thema, welches nach und nach zunehmendend in den Fokus der ganzen Szene gerückt ist. Auch bei den Clubs tut sich mittlerweile einiges, so gibt es zb Clubtopia in Berlin. Clubs haben aber ganz andere Voraussetzungen und die größte Priorität liegt vor allem bem Energieverbrauch vor Ort. Festivals haben hingegen andere Prioritäten. Nun kamen die ersten Newsletter der Festivals für den Sommer bei mir rein. Mit Konzepten für CO2 Einsparungen und mehr Nachhaltigkeit wird geworben. Die zwei großen Baustellen für die Festivalveranstalter sind die Anreise und der Müll, welcher vor Ort produziert wird. Wenn man wie das Melt auf internationales Publikum setzt, wird es natürlich schwer mit den CO2 Einsparungen bei der Anreise. Als Instrument bietet man derzeit eine freiwillige CO2 Kompensation im Wert von 2,60€ an, was ganz klar bedeutet, dass man die Anreise doch bitte schön selbst kompensieren soll. Es ist eigentlich ganz offensichtlich: Festivalkonzepte, wie beim Melt lassen keine echte Nachhaltigkeit bei der Anreise zu bzw. schieben die Verantwortung auf das Individuum ab. Ehrlicher wäre hier zB eine echte Anreisekompensation aller Besucher im Festivalticket. Die einzige Chance bleibt damit die CO2/Müll Reduktion vor Ort, welche aber auch schon weitergehend ausgereizt ist. Die alternativen Festivals in Brandenburg sind an dieser Stelle ein Stück weiter und haben konzeptuelle Vorteile. Das Auto wird als Anreisemittel der Wahl bei vielen dieser Festivals weiter eingeschränkt und benachteiligt. Es gibt Auto- und Wohnmobilpässe, welche aber kostenintensiv und stark beschränkt sind. Wer mit der Bahn anreißt, bekommt die besseren Camping Spots und wird belohnt. Positiver Nebeneffekt dieser Strategie ist, dass mit weniger Autos auch weniger individueller Müll mit auf das Festival transportiert werden kann. Trotzdem bleibt der Müll das Hauptproblem dieses Typus von Großveranstaltung.

Ich würde mal behaupten, dass es jetzt spannend wird. Die Festivallandschaft bei uns wird sich verändern und das muss sie auch. Festivals werden aufgrund ihrer Grundkonzeption etwas unterschiedliche Probleme mit dem Thema Nachhaltigkeit bekommen. Für einige Themen gibt es jetzt schon Lösungsansätze und für andere wird es wenig überraschend schwierig werden. Wo man heute noch mit Green Washing und gezieltem Festivalmarketing den Besucher überzeugen kann, wird es morgen schon nicht mehr weiter gehen. Es wird natürliche Grenzen geben. Festivals werden immer einen Impact haben, nur wie groß dieser sein darf, wird wohl bald genauso diskutiert werden, wie die Frage nach einem Verbot des Benzinmotors oder von Kurzstreckenflügen.


Overmono – So U Kno

Ich habe die letzten Tage des Jahres mal wieder genutzt, um ein wenig die bekannten Jahresrückblicke etc. zu durchforsten. Im Gegensatz zu normalen Jahren, war vieles neu für mich, kein Wunder, habe ich mich doch überwiegend auf Spotify festgehört und dabei vermehrt ältere Sachen favorisiert. Das ist sicherlich nicht ungewöhnlich nach gut 2 Jahren Pandemie und genauso erwartbar ist für mich die Entwicklung bei den Releases des letzten Jahres. Man hört irgendwie raus, dass die Clubs schon länger zu sind und wieder nur sehr wenige Festivals stattgefunden haben. Die Künstler sitzen in ihren Studios, haben sich dort so richtig festgesetzt und kreieren kaum Musik mehr für die Tanzfläche. Vielleicht haben einige sogar das Gefühl vergessen, wie das funktioniert. Der Trend gebrochene, extrem verspielte, experiementelle und ambientorientierte Tracks zu produzieren hat in diesem Jahr wahrscheinlich einen neuen Höhepunkt erreicht. Man muss sich nur mal die Resident Advisor Alben des Jahres anschauen… Funktionelle Longplayer kommen darin quasi nicht vor. Ich kann mir gut vorstellen, dass man in der Zukunft auf die Pandemiejahre zurückblickt und sich auch ein Bild von einer gewissen Pandemie-Musik zeichnen lässt.

Label: Poly Kicks
Release: 6/21