Larry Heard Presents Mr. White: The Sun Can’t Compare (Long Version)

Diesen Track habe ich schon sehr lange in keinem DJ Set mehr gehört. Von 2006, was jetzt auch schon wieder 12 Jahre in der Vergangenheit liegt. Damit ist das mittlerweile ein echter classic Track. Wenn ich mich richtig erinnere, hat DJ Dustin von der Giegling Crew den Track am Samstag morgen auf der Fusion gespielt. Schöner Moment.

edit: jetzt gerade gesehen, es kam vor kurzem ein Repress, alles klar 😉

Label: Alleviated Records
Release: 2006

Gegen die Post Fusion Depression

Das Fusion Festival schafft es immer wieder einen gut aus dem Alltagstrott zu schmeißen, was nach dem Festival leicht zu einer Post Fusion Depression führen kann. Damit es nicht ganz so schlimm wird, hilft es im Anschluss die Mitschnitte durchzuhören. Für mich waren dieses Jahr auch wieder einige sehr schöne Sachen dabei. Einige Sets fehlen noch, aber die kommen sicherlich noch in den nächsten Tagen. Auch wenn ich nach meiner dritten Fusion nicht mehr so geflasht bin, wie nach der Ersten, ist es doch immer noch erstaunlich, wie entspannt so ein Festival mit 70.000 Besuchern ablaufen kann. Das eine Jahr Festival Pause hat der Fusion sichtlich gut getan. Vor allem an der Infrastruktur wurde gewerkelt. Ansonsten blieb vieles beim Alten. Das war zum Teil gut, zum Teil schlecht. Sehr negativ sehe ich die bestehenden Probleme beim „befüllen“ der Campingplätze. Da werden teilweise Autos stundenlang und völlig sinnlos über das Gelände geschickt. Das geht für ein nachhaltiges Festival, wie das Fusion es sein will, sicherlich besser. Ansonsten war alles wieder sehr schick, Kreativität an allen Ecken. Ich denke 2019 bin ich wieder dabei, wenn es klappt…

/playlist by kraftfuttermischwerk

Fotografieren am 9.Mai

Über die Fotografie von verlassenen Orten, dabei vor allem den ehemaligen GSSD Kasernen in Ostdeutschland, bin ich in den letzten Jahren auch dazu gekommen am 9.Mai zu fotografieren. Der 9.Mai ist nicht irgendein Tag, sondern es ist der Tag an dem Russland bzw. auch einige Staaten der ehem. Sowjetunion das Ende des 2.Weltkrieges feiern. Die Alliierten feiern das Kriegende am 8.Mai. Der Unterschied ist historisch bedingt und hängt damit zusammen, dass im deutschen Reich die Sommerzeit galt und im entfernten Osten eben nicht. Im Jahr 2016 war ich mit einem befreundeten Fotografen um den 9.Mai herum in Moskau, um die große Militärparade zu fotografieren. Der 9.Mai wurde lange Zeit gar nicht mehr gefeiert und auch die militärische Präsentation auf dem Roten Platz war zwischenzeitlich ausgesetzt. Wie man jedes Jahr sehen kann, hat sich das mittlerweile deutlich geändert. An diesem Tag präsentiert Russland seine militärische Stärke. Der sog. Tag des Sieges wurde von Wladimir Putin und der Russischen Regierung ‚reaktiviert‘ und wird öffentlichkeitswirksam für politische Zwecke instrumentalisiert. Es war sehr interessant zu sehen wie gut das Vorhaben funktioniert und die Russen aus diesem Tag sogar mehr machen, als einen einfachen Volksfeiertag. Man hat dort das Gefühl, dass sich mittlerweile der ganze russische Stolz auf das eigene Land in diesem einen Tag widerspiegeln. Für einen Deutschen der so viel Nationalismus eigentlich nur aus dem sonntäglichen Weltspiegel kennt, ist dieser Tag in gewisser Weise ein Freakshow. Die Identifikation der Leute mit dem Tag, ihrem Land, ihrem Militär und ihren Vorfahren ist umfassend und kann auch recht gut fotografisch festgehalten werden. In Zeiten von Instagram und anderen sozialen Netzwerken ist das einer wichtigsten Tage im Jahr auch vieler junger Russen. Jeder möchte sich fotografieren (Selfies) und hat auch kein Problem damit fotografiert zu werden, weil man etwas präsentiert worauf man Stolz ist. Die Zeichen des Tages sind überall zu sehen. Nicht nur die Soldaten der Militärparade stecken in einer Uniform, sondern auch viele Besucher. Das fängt an bei den kleinsten, am besten schon unterwegs im umgebauten Panzerkinderwagen und geht weiter bis zu den hochdekorierten Veteranen, welche an diesem Tag besonders beliebt sind. In diesem Jahr war ich nun in Berlin am Treptower Ehrenmal und konnte mir ein Bild davon machen, wie der 9.Mai außerhalb von Russland gefeiert wird. Aus historischen Gründen leben in Ostdeutschland und auch in Berlin immer noch sehr viele Russen. Am 9.Mai wird das sehr deutlich, wenn man sieht, wie tausende Russen zum Ehrenmal pilgern und das gleiche machen, wie Ihre Genossen in Moskau. Auch hier heißt es wieder verkleiden, sich fotografieren lassen und zeigen, dass man dazu gehört. Für einen Fotografen ist dieser Tag wie gemacht. Die Menschen sind durchweg bereit sich für ein Portrait fotografieren zu lassen. Aber nicht nur die Portraits mit den Menschen in ihren Uniformen sind interessant, auch die sozialen Interaktionen an diesem Tag sind es Wert festgehalten zu werden. Da sind zum Beispiel die in Uniform gesteckten Kinder, welche von ihren Eltern fotografiert werden und wahrscheinlich noch gar nicht so richtig wissen, was gerade mit ihnen passiert. Interessant wird es auch dann, wenn die jüngsten anfangen auf dem ausgestellten Militärgerät zu spielen. Die Älteren sitzen derweil im Schatten, singen russische Volkslieder, trinken Wodka und essen mitgebrachtes Essen. Über den Tag ist es natürlich auch ein Kommen und Gehen von verkleideten Menschen, welche kurz das Selfie des Tages machen müssen. Insgesamt wirkt es oft  sehr unkritisch, wie die Menschen mit dem 9.Mai umgehen. Natürlich gibt es auch das Gedenken an die gefallen Soldaten und auch politische Reden, welche die Vergangenheit thematisieren. Was von dem Tag bleibt, ist aber oft etwas anderes, was auch daran liegt, wie der 9.Mai über die letzten Jahre politische instrumentalisiert wurde. Letztlich ist es aber genau dieser Zusammenhang, welcher den Tag für einen Fotografen interessant macht.

Gear

Rolleiflex 3.5F
Film: Ilford FP4+

C2 Synth Ensemble

Eigentlich geht man in ein Konzert wegen der Musik. Zumindest sollte das der wichtigste Aspekt sein. Heute Abend hat mich das Drohnen Footage aus Detroit mehr geflasht als die Neuinterpretationen von alten Carl Craig Tracks. Einige Titel sind im Original wahrscheinlich einfach viel zu gut. Jeder Neuversuch hat es so einfach schwer. Besonders von der „Domina“ Interpretation war ich schon sehr enttäuscht. Ich habe erwartet, dass man in diesem Format etwas ausbrechen kann und die Musiker dem alten spielerisch etwas neues hinzufügen. Teilweise hatte ich auch den Eindruck, dass die Musiker mit Ihren ‚Dave Smith‘ Synths in der Instrumentalisierung/ ‚Vertonung‘ der Originale eingeschränkt waren. Besonders die organischen Parts waren nicht meins. Das hört sich jetzt vielleicht etwas zu negativ an, denn insgesamt war es doch ein sehr gutes Konzert, nur etwas zu kurz vielleicht. Das Projekt steckt wohl aber noch in der Kinderschuhen und mit weiteren Synth Ensemble Versionen kann man rechnen. Ich bleib mal dran.

Carl Craig Synth Ensemble im Funkhaus Berlin